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Das Publikum differenziert die Wissenschaften von den Kulturen nur durch die theoretische Systematik der einen oder anderen, dies über deren entsprechenden Spezialisten und sicherlich vor allem durch die Vulgarität. Vom historischen Standpunkt aus gesehen, haben sich beide zusammen entwickelt. Der universelle Verstand Leonardos da Vinci verteidigt die Rolle des "gelehrten Auges" des Malers in einer Konstitution einer Wissenschaft der physischen Welt. Wenn man jedoch den Kubismus Picasso's mit der Geometrie erklären möchte, befriedigt diese Annäherung vielleicht den Intellekt, kaum jedoch die Kunst, das Gemälde selbst. Richtet man sich nun nach dieser Perspektive, ist die Methode des jungen Künstlers, algerischer Herkunft, Farid Izemmour, weniger überraschend. Dieser leidenschaftliche Mathematiker hat sein malerisches Werk "Fractales" genannt. Diesen mathematischen Begriff beschreibt er wie folgt: "Eine verzweigte und baumartige Struktur, welche ein vielseitiges System darstellt." Somit sollte man in jedem seiner Bilder (103 x 123 cm) den Versuch einer Visualisation dieses Begriffs wieder. Bringt uns jedoch der globale Titel des Werks auf den Weg einer Entzifferung, so treten andere Elemente auf, welche nicht zu verbergen sind. Zum Beispiel die arabische Kunst der Kalligraphie, die dekorativen Motive der blauen Moscheen aber auch die gesamte westliche Tradition der abstrakten Malerei seit Kandinsky. Man sieht, Farid Izemmour ist ein bewusster Erbe von zwei parallel laufenden Kulturen, die sich in der Harmonie einer Sphäre wiedervereinen: Das Taumeln eines Wirbels oder das Wolkenspiel der verschiedenen Gedanken, die sich auf dem Papier niederlegen und überdecken. Die Kalligraphie? "Referenz an einen Kommunikationszusammenhang", "Ich bin ein Träger der Maler und nicht ein Erfinder." Die Farben? Die Spritzer? "Ich arbeite mit einem Gestell, welches unter meinen Füssen auf dem Boden ist. Ich renne nun um das Bild herum, bewege und schüttle dabei das Bild konstant. Der Pinsel tritt, wenn überhaupt, erst danach ins Spiel. Das Schlussbild ergibt dann eine riesige Arabeske von rosa, überschweifend ins blaue. Eine Wunde auf einer Blase, die zerspringt. Ordnung und Unordnung sind Ausschnitte aus dem Chaos und der Intelligenz. Über die Geometrie hinaus, eine konstante Spannung zwischen dem Emotionalen und dem Geistigen , zwischen der Idee und dem Körper. Von "Fractal I" über zu"Fractale XII" hat der Künstler sein Talent bewiesen. Der Aufbau des Bildes dominiert progressiv über die originelle Idee: "Ich kann dies nicht erklären. Ich weiss nicht warum..." sagt er schlussendlich über "Fractale XII". Und Farid Izemmour fügt träumerisch hinzu: "Der Friedensgeist dirigiert mich, Brücken zu errichten. So zu arbeiten, im fortlaufeden Gleichgewicht bald Ungleichgewicht...". Seht Euch seine zwölf "FRACTALES" mal an. |